Tipps für Zuchtanfänger

von

http://www.meerschweinchen-zum-kindelsberg.de/tipps.html

 

 

Es gibt sehr schöne Meerihomepages, in denen ausführlich über Haltung, Fütterung und Krankheiten berichtet wird. Das will ich nicht alles wiederholen. Nachfolgend beschreibe ich nur einige typische Anfängerfehler im Bereich der Zucht. Nichts davon ist theoretisch sondern alles praktisch erfahren!

 

 

1.) Wenn Du anfangen willst, Meerschweinchen zu züchten, kaufe nicht wahllos drauflos. In der Anfängereuphorie gefällt jedes Tier, jede Rasse, jede Farbe. Du wirst nach einiger Zeit einen richtigen Gemischtwarenladen in Deinem Stall haben, wenn Du Dich nicht streng beherrschst. Überlege Dir ganz genau, welche Rasse Du wirklich züchten willst. Zuchtbeschreibungen sind lächerlich, in denen es heißt: Ich habe 25 Meerschweinchen. Ich züchte Texel, Peruaner CH- Teddy, Rexe, US Teddys und GH in schwarz, schoko, weiß, slate blue, creme, grün-lila-bunt und alles auch noch in Satin. ( Für eine solche Zucht braucht es mindestens 100 Zuchttiere)

 

 

 

2.) Kaufe Deine Zuchttiere nicht im ganzen Lande ein. Jede Stallgemeinschaft entwickelt ihr eigenes Keimsystem. Je mehr Keimsysteme aufeinandertreffen, umso stärker wird das Immunsystem der Tiere belastet. Wenn du z.B. 10 Weibchen bei 10 verschiedenen Züchtern kaufst und diese dann zu Hause in einen großen Auslauf zusammensetzt, kannst Du in den darauffolgenden Wochen garantiert mit Triefaugen und Laufnasen rechnen. Wobei das noch das geringste ist, schlimmer ist die Gefahr, eine Seuche einzuschleppen (aber davor ist man letztendlich nie gefeit). Kaufe lieber nur fünf Meerschweinchen, diese aber bei einem einzigen Züchter. Oder kaufe halt nur ein Pärchen bzw. eine Dreierzuchtgruppe und behalte Dir erst mal allen Nachwuchs selber.

 

 

 

3.) Versuche Tiere von Züchtern zu bekommen oder lasse Dich auf deren Wartelisten setzen, die mit ihren Tieren auch auf Ausstellungen gehen. Es ist nicht garantiert, aber die Chance ist einfach größer, dass Du farbreine Tiere bekommst, die nach Standard gezüchtet wurden. Die Qualität dieser Tiere ist erfahrungsgemäß besser. Es gibt leider auch sehr viele "Vermehrungszüchter", die ihre Zufallsprodukte als Rassetiere verkaufen. Da merkt man dann erst beim Nachwuchs, was da alles an Farben ( und sogar Rassen) bei den Vorfahren drin waren. Ganz optimal ist es, wenn du einen "Paten" hast, d.h. einen erfolgreichen Züchter, der Dir in den ersten Monaten und Jahren jederzeit zur Seite steht, mit Tipps und Ratschlägen weiterhilft und Dir auch gute Zuchttiere zur Verfügung stellt. Meine Patin war die Elli Vetter ("Sabrinas Lieblinge"), die mir seit Jahren zur Seite steht und von der ich viele wunderschöne Tiere erhalten habe. Danke!

 

 

 

4.) Wenn Du dann schöne Tiere zusammenhast und die ersten Verpaarungen setzt, dann lass unbedingt die trächtigen Weibchen in Ruhe!!! Ich habe es anfangs den erfahrenen Züchtern nicht geglaubt und leider selber den Fehler gemacht, trächtige Weibchen umzusetzen in eine andere Gruppe. Oder die Gruppenhierarchie zu stören, indem ich andere Weibchen dazu gesetzt habe. Oder, ganz schlimm, alle trächtigen Weibchen zusammengesetzt in einen großen Auslauf, nach dem Motto "Schwangere sind halt gern unter sich". Die Folge waren vermehrte Aborte, tote Babys und Toxikosen. Trächtige Weibchen sollten unbedingt in ihrem festen Gehege bleiben. Kurz vor der Geburt natürlich den Bock rausnehmen, damit die Sau nicht nachgedeckt wird. Nur wenn noch andere trächtige Weibchen mit dabei sind, dann nehme ich ein, zwei Tage

vor der Geburt die werdende Mutter raus und setze sie einzeln in einen Wurfkäfig, damit nicht die anderen Weibchen durch das Mitfressen an der Nachgeburt, welche wehenfördernde Hormone enthält, verwerfen. Die Ruhe vor der Geburt ist den Meerschweinchendamen auch ganz angenehm.
Vermeide unbedingt bei trächtigen Weibchen jeglichen Stress! Sie werden es danken durch gesunde und kräftige Nachkommen!

 

 

 

5.) Die Geburt und die Versorgung der Babys in den ersten zwei Wochen klappen besser, wenn die Mutter mit ihrem Wurf einzeln sitzt.
Quadratmetergroße Ausläufe mit mehreren Müttern und vielen Babys sind mehr was für's Auge und für Besucher. Die Meeridamen brauchen das nicht wirklich! Mit frischgeborenen Babys kommt die Mutter besser allein zurecht, bzw. bringt eine größere Anzahl der Nachkommen lebend durch, wenn sie etwas Ruhe hat. Im Alter von etwa zwei Wochen kann man aber Mutter und Babys, sofern sie gut gedeihen, ohne Bedenken wieder zu den anderen Weibchen gesellen.

 

 

 

6.) Zum Schluß möchte ich noch zwei Zitate aus der Züchterliste anführen, die regelmäßigen Mitlesern sicher gut bekannt sind: "Baue erst das Haus, dann streiche es an". Soll heißen: Bevor du mit neuen Farbschlägen herumexperimentierst, achte zuerst auf Typ, Bau und Fellstruktur bei Deinen Zuchttieren. Und "es gibt genügend Meerschweinchen, die die Welt nicht braucht". Soll heißen: Verzichte auf Verpaarungen nach dem Motto: "Mal gucken, was süßes dabei herauskommt, wenn ich Puschel und Wuschel zusammensetze". (Von wem stammt das? Urheber bitte melden!)

Für jeden Rassemeerschweinchenzüchter ein MUSS ist die Lektüre der Broschüre "Die wichtigsten Fragen für alle Züchter von Rassemeerschweinchen und Liebhabermeerschweinchen. Zucht - Genetik - Show." Herausgegeben vom Bundesverband der Meerschweinchenfreunde Deutschland (MFD). Kann auf der Homepage des MFD (www.meerschweinchenfreunde.de) bestellt werden.